Sichere Visitenkarten

Visitenkarten mit S/MIME Zertifikat zum Scannen

Sebastian Bicchi
5.6.2017 | Awareness

Als für unser Unternehmen Visitenkarten geplant wurden, fragten wir uns:

  • Gibt es sichere und unsichere Visitenkarten?
  • Wie schafft man die Möglichkeit, einer sicheren und vertraulichen Erstkommunikation?
  • Kann man mit Visitenkarten dazu anregen, verschlüsselte E-Mails zu schreiben?
  • Wie lässt man seine Kunden am Besten wissen, dass man auch verschlüsselt erreichbar ist?
  • Wie erspart man dem Kunden das manuelle Importieren eines Zertifikats?

Uns war das Zielbild schnell klar: Wir wollten einen QR-Code auf der Rückseite unserer Visitenkarte, der beim Einscannen ein Zertifikat an den Benutzer liefert. Was sich zunächst simpel anhört war jedoch nicht ganz so einfach umzusetzen.

Anforderungen

Unsere gewählten Anforderungen an die Lösung lauteten wie folgt:

  • Usability: Der Benutzer der Visitenkarte soll sich nicht mit dem Import von Zertifikaten herumschlagen müssen - es soll so einfach wie möglich sein
  • Wartung: Die Zertifikate werden in einem zentralen Verzeichnisdienst (LDAP) hinterlegt und sollen von dort auch an den Kunden geliefert werden
  • Sicherheit: Wir wollten keine direkte oder indirekte Schnittstelle vom WAN zu unserem LDAP
  • Datenschutz: Nur jemand, der eine Visitenkarte erhält, soll auf Informationen wie Telefonnummer Zugriff haben (insbesondere für Mitarbeiter im Innendienst).
  • Aktualität: Physische Visitenkarten können einige Zeit überdauern bis sie Beachtung finden. Wenn ein Empfänger einer Karte diese z.B. ein Jahr später benutzt, sollen das Zertifikat und andere Daten aktuell sein

Damit war klar, dass der QR-Code auf den Karten nicht das Zertifikat enthalten kann, sondern nur einen Link zum Zertifikat. Weitere Ausschlussgründe für "Zertifikat im QR Code" waren:

  • Der QR Code wurde schlicht und einfach zu groß und damit nicht mehr gut leserlich
  • Ein QR Code kann zwar eine VCard mit Zertifikat ausliefern, jedoch unterstützten die getesteten Geräte das nicht
  • Nur einen QR Code auszuliefern, schränkt Benutzer ein, die keinen QR Code Scanner zur Verfügung haben (z. B. Desktop Benutzer)

Lösung

Als Lösung entwarfen wir den Visitenkarten-Builder - einen Java-Service - der aus dem LDAP für jeden gekennzeichneten Mitarbeiter eine Web-Visitenkarte erstellt. Dazu müssen wir zunächst ein Attribute wählen, das den Mitarbeiter bzw. dessen VCard-Kurz-URI identifiziert. Dieses Attribute soll nicht dem Benutzernamen entsprechen und auch nicht leicht zu erraten sein (siehe oben - Datenschutz für Mitarbeiter!). Daher entschlossen wir uns, ein zusätzliches Attribut zu vergeben. Um uns eine Schema-Erweiterung im LDAP zu ersparen verwendeten wir ein Attribut, das sonst nicht verwendet wird (also durch angebundene Systeme nicht ausgewertet wird und frei beschreibbar ist):

Die Kurz-URI wird auf die Visitenkarten als QR-Code aufgedruckt:

Unter der Kurz-URI kann eine Web-Version der Visitenkarte abgerufen werden. Diese Website wird durch den Visitenkarten-Service erstellt und verwendet Velocity-Templates. Die entstandenen Websiten sehen bei uns so aus (Stand 2017):

In den .vcf-Dateien sind die Zertifikate der Mitarbeiter enthalten, ebenso können die Zertifikate einzeln heruntergeladen werden. Dadurch kann uns ein Kunde mit unserer Visitenkarte mit minimalem Aufwand verschlüsselte Mails senden. Eine dieser Kurz-URI ist z.B. https://sec-research.com/vc/wz4ihq

Unsere Anforderungen erfüllen wir somit vollständig:

  • Usability: Der Benutzer kann durch Scannen des QR-Codes und herunterladen der aktuellen VCF Datei (schon beim Erstkontakt) verschlüsselt und vertraulich mit uns kommunizieren
  • Wartung: Die Zertifikate werden aktuell aus dem internen Directory abgefragt und sind somit stets aktuell
  • Sicherheit: Die Visitenkarten werden bei LDAP Änderungen gebaut und statisch ausgeliefert, es besteht keine Verbindung zwischen externen Web-Systemen und internem Directory
  • Datenschutz: Ohne gültigen Kurz-Code können keine Mitarbeiter-Daten abgefragt werden
  • Aktualität: Die Web-Version der Visitenkarten ist stets aktuell, der QR-Kurz-Code verändert sich nicht

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